im unterfränkischen Burgsinn haben am Montag 50 Schafe den Penny Markt gestürmt. Es war wie Schlussverkauf, alle wollten gleichzeitig rein.
Jugendliche haben das gefilmt. Innen sah man, dass sich ein Kunde auf das Warentransportband an der Kasse geflüchtet hatte, wo er nun aufrecht saß und auf bessere Zeiten wartete. Die Schafe standen im Laden inzwischen dicht an dicht etwas ratlos herum und produzierten (insgesamt dauerte ihr Besuch 20 Minuten) zwangsläufig allerhand Hinterlassenschaften. Warum sich die Schafe vom Rest der Herde trennten, ist unklar. Vielleicht hielten sie die Einkauftasche eines Kunden für einen Kraftfuttereimer, mit dem sie gefüttert werden, mutmaßte der Schäfer. Aber bei den meisten war es der schlichte Herdentrieb: Sie liefen stumpf hinterher, um nicht den Anschluss zu verlieren. Erst später stellten sie fest, dass sie in einer Sackgasse gelandet waren.
So ganz frei vom Herdentrieb ist auch die Menschheit nicht. Wenn es irgendwo Schnäppchen gibt oder wenn falsche Hirten das Blaue vom Himmel versprechen, dann gibt’s auch unter Menschen Gedränge, um dabei zu sein. Und später dann vielleicht das böse Erwachen. Wobei die Bibel, die viel über Schafe und Hirten schreibt, immer ein Herz für die Schafe hat in ihrer Bedürftigkeit. Hart ins Gericht geht die Bibel dagegen mit den schlechten Hirten, den politischen Führern: "Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt, das Kranke habt ihr nicht geheilt, das Verletzte habt ihr nicht verbunden, das Verlorene habt ihr nicht gesucht; mit Härte habt ihr sie niedergetreten und mit Gewalt." Das 34. Kapitel des Propheten Ezechiel liest sich da streckenweise wie ein politischer Kommentar.
Die Schafe von Burgsinn sind längst wieder bei ihrer Herde. Millionen haben über die Bilder gelacht – und sich vielleicht auch ihren Teil gedacht.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Herzlich,
Klaus Hofmeister, hr Religion & Kirche