es ist viel los im Feld der Religion. Das weiß keiner so gut wie Detlef Pollack. Seit Jahrzehnten sammelt und vergleicht er Umfragen und Statistiken zu Religion und Glauben weltweit. Sein Buch "Religion in der Moderne" ist ein Standardwerk. Für eine Neuauflage wollten Pollack, der Münsteraner Religionssoziologe, und sein Mitautor Gergely Rosta die Daten aktualisieren. Und stellten überrascht fest: Die Lage hat sich komplett gewandelt.
Weltweit, so sagt es Pollack in diesen Tagen in Interviews immer wieder, nimmt die Bedeutung der Religion ab, sogar in klassisch hochreligiösen Ländern wie etwa Polen, selbst im Iran. "In der modernen Gesellschaft verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der Frage nach den ersten und letzten Dingen unseres Lebens zu der Frage, was man im Hier und Jetzt tun möchte", sagt Pollack. Das ist eine von mehreren Erklärungen für den neuen Trend. "Sollte uns das beunruhigen?" fragt der Journalist. Ein Land verliert seinen Glauben, wie verändert das die Gesellschaft? Was fehlt?
Vielleicht stellen sich aber auch die Fragen heute ganz anders? Vielleicht heißt es weniger "Was glaubst du?". Statt dessen zum Beispiel "Wo findest Du die Kraft für Deinen Alltag?" Vielleicht sind die Antworten vielfältiger als die überlieferten Religionssysteme. In unserer
großen ARD-Reihe "Quellen der Kraft" erzählen wir in diesen Sommerwochen von den – auch religiösen – Suchbewegungen der Menschen.
Ich bin überzeugt, auch in der modernen säkularen Gesellschaft verschwinden die Fragen nicht nach dem, was uns wichtig und wertvoll ist, was uns in Krisen trägt, was das Zusammenleben stärkt. Aber es schadet uns, wenn wir die Suche nach Antworten und das Gespräch darüber ausblenden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiter erholsame und stärkende Sommerwochen.
Herzlich,
Ihr Lothar Bauerochse
hr Religion & Kirche