"Rot ist die Liebe, Rot ist das Feuer", sagte die evangelische Pfarrerin aus Coesfeld, als sie in der vergangenen Woche den Preis der
Stiftung KiBa entgegennahm. Angesichts einer gefährlich bröckelnden Kirche hat die Gemeinde ihr Gemeindehaus aufgegeben und stattdessen einen auffälligen roten Kubus in den Eingangsbereich ihrer barocken Stadtkirche gesetzt. Dort findet jetzt das pralle Gemeindeleben statt. Die Kirche ist auch werktags belebt. Und mehr noch: Mit dem Kubus öffnet sich die Kirche zur Stadt hin. Wenn draußen vor der Kirche Markt ist, finden viele für einen Kaffee und einen Moment der Ruhe hinein in den Kirchenraum. Der Kubus ist rot, auffällig, ungewöhnlich. Denn, so die Pfarrerin, "wir wollen uns nicht verstecken. Wir zeigen uns selbstbewusst als Gemeinde in der Stadt."
Auf dem Evangelischen Kirchbautag in Berlin habe ich in der vergangenen Woche einiger solcher Kirchenumbauten gesehen, die mich zum Teil in Erstaunen versetzt haben. Was mich beeindruckt hat: Wo Gemeinden angesichts einer zu großen, zu teuren, baufälligen Kirche die Situation genutzt haben, um intensiv über ihr Gemeindeleben nachzudenken, wenn sie gefragt haben "Was brauchen die Menschen in der Nachbarschaft?", wenn sie Partner aus dem Stadtteil, auch kommerzielle, mit ins Boot bzw. mit in den Kirchenraum geholt haben, kann das ganz neue Energien freisetzen, kann das Ehrenamtliche zum Engagement begeistern, kann der Kirchenumbau auch die ganze Gemeinde verändern.
Das konnte ich auch in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin Kreuzberg sehen. Auch dort: Als die Frage im Raum stand, ob die marode Kirche abgerissen werden soll, wurde das Gemeindehaus aufgegeben, wurde die Kirche in beeindruckender, mutiger und sehr intelligenter Weise umgebaut. So hat die Gemeinde ihren spirituellen Ort, aber auch einen Raum für Veranstaltungen im Stadtteil. Bürofläche und Treffpunkt. Und ganz oben, unterm Dach, noch über der Kuppel des imposanten Kirchenraums hat sich eine renommierte Werbeagentur eingemietet. Die wirbt in ihrem Internetauftritt mit der Kirche als cooler location.
Ermutigende Beispiele, finde ich, für alle, die sich derzeit fragen, "Was machen wir nur mit unserer Kirche?". Kirche ganz neu denken kann sich lohnen. Nicht nur, wenn man den Preis der Stiftung KiBa bekommt.
Herzlich,
Lothar Bauerochse
hr Religion & Kirche